Tequila? Aber bitte fledermausfreundlich!

December 31, 2019

 

 

Was hat denn Tequila mit Fledermäusen zu tun? Nun, eine Menge! Denn Tequila wird aus der blauen Agave (Agave tequilana) hergestellt, eine Hauptnahrungsquelle der Kleinen Mexikanischen Blütenfledermaus (Leptonycteris yerbabuenae), die im Gegenzug Hauptbestäuber dieser Pflanze ist (siehe auch Viquez-R. & Tschapka 2019).

 

Die internationale große Beliebtheit des mexikanischen Nationalgetränks hat jedoch dazu geführt, dass die Agaven massenhaft in intensiv genutzten Plantagen angebaut wurden. Bei dieser Anbauweise wird auf eine sexuelle Vermehrung der Pflanzen verzichtet, in dem man nur Klone verwendet, die die Pflanze von sich aus produziert. Hintergrund ist dabei, den Zuckergehalt der Pflanzen zu erhöhen, in dem die Blütenstände entfernt, bevor diese Pollen produzieren. Dies führt allerdings dazu, dass einerseits die genetische Vielfalt der Pflanzen stark reduziert wird und andererseits die Fledermäuse nichts mehr zu fressen finden (Trejo-Salazar et al. 2016).

 

Dr. Rodrigo Medellín, auch bekannt als der "Batman von Mexiko", hat seit über 20 Jahren erhebliche Anstrengungen zur Erhaltung der Fledermäuse unternommen. Dabei kämpft er auch dafür, dass ein Teil der Pflanzen blühen und auf natürliche Weise bestäubt werden darf. Seine Forderungen waren bis zum nationalen Regulierungsrat für Tequila (Consejo Regulador del Tequila) vorgedrungen. Erste Erfolge der Schutzbemühungen von Pflanze und Fledermaus haben dazu geführt, dass die Kleine Mexikanische Blütenfledermaus 2014 von der Liste der bedrohten Arten genommen werden konnte. Dennoch werden die Tiere weiterhin von Habitat-Zerstörungen bedroht und ein Großteil der Pflanzen werden immer noch von Krankheiten befallen.

 

Dr. Medellín arbeitet deshalb inzwischen mit dem Tequila Interchange Project (www.tequilainterchangeproject.org) zusammen, einer gemeinnützigen Organisation und Verbraucherorganisation für Agaven-destillierte Spirituosen, die sich aus Barkeepern, Verbrauchern und Tequila-Enthusiasten zusammensetzt, um den Fledermäusen und den Agaven zu helfen. Diese Partnerschaft wandte sich direkt an die Tequila-Produzenten, um sie davon zu überzeugen, dass es in ihrem besten Interesse ist, einige ihrer Pflanzen blühen und sterben zu lassen, im Austausch für ein "fledermausfreundliches Tequila-Label".

 

Im Angesicht der steigenden Nachfrage von Tequila auf dem Weltmarkt verstanden auch die Produzenten, dass weitere Schutzmaßnahmen und Initiativen enorm wichtig sind, wenn die Lebensfähigkeit der blauen Agave und damit das Überleben der Branche gesichert werden soll. Indem sie 5% der Agavenpflanzen blühen lassen (ca. 200 Pflanzen pro Hektar), laden die Tequila-Produzenten diejenigen ein, die ihnen beim Erhalt der Agaven helfen: die Fledermäuse!

Die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler überprüfen, ob in den 5% der Agaven, Fledermäuse effektiv Pflanzen bestäuben, ob Saatgut produziert wird und dass dieses Saatgut die genetische Vielfalt beinhaltet.

 

Ein Großteil des Erfolgs des Labels wird jedoch von den Verbrauchern und den Barkeepern abhängen. Immer mehr Verbraucher kaufen und fordern umweltfreundliche Produkte. Für das Tequila Interchange Project leisten die Barkeeper einen wichtigen Beitrag zur Profilierung des fledermausfreundlichen Tequilas, indem sie die Verbraucher über die Ziele des Projekts und die daraus resultierende überlegene Qualität ihres Tequilas informieren: eine Win-Win-Situation.

 

Bis Ende 2016 wurden in der Pilotphase des Projekts über 300 000 Flaschen fledermausfreundlichen Tequila von 5 verschiedenen Marken freigegeben, und es wurde erwartet, dass weitere Marken von Tequila und auch Mezcal™ (eine weitere Spirituose aus Agaven) das fledermausfreundliche Label erhalten. Leider hat jedoch die Wahrnehmung des fledermausfreundlichen Tequilas noch keine breite Basis gefunden, sodass einige Firmen inzwischen sogar vom Projekt Abstand genommen haben, um die Mehrkosten für die nachhaltige Produktion einzusparen.

 

Es deshalb sehr wichtig, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten und Bewusstsein zu schaffen, um den Verkauf von fledermausfreundlichen Tequila und Mezcal anstelle von konventionell produzierten zu steigern!

Wir bitten deshalb um die Verbreitung dieser Informationen.

 

Salud!

 

 

 

Literatur:

 

Firmen mit dem Siegel für die fledermausfreundliche Herstellung:

 

 

2016:

 

Tequila:

– Tequila 8

– Tequila Tapatio

– Tesoro de Don Felipe

– Siembra Valles Ancestral

– 7 Leguas*

 

Mezcal:

– Siembra Metl Cupreata

– Don Mateo de la Sierra Cupreata

 

 

2019:

 

Tequila:

– Tequila 8

 

Mezcal:

– Don Mateo de la Sierra Cupreata

 

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Die PDF-Version des Berichtes erhalten Sie hier.

Zum englischen Factsheet von IUCN gelangen Sie hier.

 

 

 

Bearbeitung: Marcus Fritze, Mirjam Knörnschild, Ahana A. Fernandez

Deutsche Fledermauswarte

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