Übersetztes Abstract: Die Unterschiede in der Hörwahrnehmung zwischen den Arten werden durch die phylogenetische Herkunft und die Wahrnehmungsanforderungen der natürlichen Umgebung beeinflusst, wie z. B. das Erkennen von Geräuschen, die von Beutetieren oder Räubern erzeugt werden, und von Kommunikationssignalen. Fledermäuse eignen sich gut für vergleichende Studien zur Hörwahrnehmung, da sie sich bei der Wahrnehmung der Welt hauptsächlich auf die Echoortung verlassen, während ihre sozialen Rufe und die meisten Umweltgeräusche niedrige Frequenzen haben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten, ob sich die Hörempfindlichkeit und die Kodierung der Reizhöhe bei Fledermäusen zwischen hohen und niedrigen Frequenzen unterscheiden, indem sie die akustischen Hirnstammantworten von 86 Fledermäusen aus 11 Arten maßen. Bei den meisten Arten war die Hörempfindlichkeit in hohen und niedrigen Frequenzbereichen gleich gut, während die Amplitude in höheren Frequenzbereichen feiner kodiert war. Zusätzlich wurde eine vergleichende phylogenetische Analyse durchgeführt, indem Hirnstammantwort-Daten mit veröffentlichten Daten zu 27 Arten kombiniert wurden. Artspezifische Spitzenwerte in der Hörempfindlichkeit korrelierten mit den Hauptfrequenzen der Echolotrufe und der Rufe zur Isolierung der Jungtiere, was darauf hindeutet, dass sich Änderungen in der Hörempfindlichkeit als Reaktion auf Frequenzänderungen der Echoortung- und Sozialrufe entwickelt haben. Insgesamt bietet die Studie die bisher umfassendste vergleichende Bewertung des Hörvermögens von Fledermäusen und verdeutlicht den evolutionären Druck, der auf ihre Sinneswahrnehmung wirkt.

Original-Studie:

Lattenkamp EZ, Nagy M, Drexl M, Vernes SC, Wiegrebe L, Knörnschild M. (2021): Hearing sensitivity and amplitude coding in bats are differentially shaped by echolocation calls and social calls. Proc Biol Sci. 288(1942): 20202600. doi: https://doi.org/10.1098/rspb.2020.2600

Hörempfindlichkeit und Amplitudenkodierung bei Fledermäusen werden durch Echoortungsrufe und soziale Rufe unterschiedlich beeinflusst